Die Geschichte einer Weltreligion
Wann genau die Geburtsstunden des Christentums war, kann man nicht genau sagen. War es die Geburt Jesu? Seine Kreuzigung oder Auferstehung? Oder war es der Moment, als die Jünger in die ganze Welt gingen, um die Botschaft Gottes zu verbreiten? Klar ist, dass sich bereits zu Jesu Lebzeiten eine Gemeinde um ihn gebildet hat, die nicht nur aus den 12 Jüngern, sondern auch anderen Sympathisanten bestand. Diese Gemeinde, die auch nach Jesu Tod noch bestand, nennt man auch die Urchristen. Die Anfangszeit war nicht leicht für die junge Glaubensgemeinschaft. Sie wurden von den Juden unterdrückt und verfolgt und mussten sich meist im Verborgenen aufhalten.
Erst als im Jahr 380 das Christentum zur Staatsreligion im römischen Reich erklärt wurde, mussten sich die Christen nicht mehr verstecken, sondern konnten ihre Religion öffentlich praktizieren. Es folgten zahlreiche Konzile, die das Christentum in seiner Organisation und Überzeugung klar strukturierten und festlegten. Bei den Konzilen ging es z. B. um die Dreifaltigkeit Gottes oder die Benennung Marias als Gottesgebärerin. Dadurch erhielt das Christentum eine genaue Gestalt und war nicht länger eine unkontrollierte “schwammige” Religion. Es folgte die Missionierung Europas ausgehend vom römischen Reich. Nach und nach nahmen die europäischen Reiche das Christentum als Staatsreligion an. Fast alle Herrscher ließen sich taufen und traten zum Christentum über. Die Missionierung reichte bis nach Russland. Das Jahr 1054 ist ein wichtiges für die Geschichte des Christentum. Die mittlerweile sehr groß gewordene Religionsgemeinde geriet zunehmend in Konflikte und so kam es im Jahr 1054 zur Trennung des Christentums in die Ost- und Westkirche.
Nur ca. 40 Jahre später begann die Zeit der Kreuzzüge. Christen standen in einem starken Konflikt mit den Moslems. Hauptstreitpunkt: Die Herrschaft in Jerusalem. Mit dem Ende des Mittelalters und dem Beginn der Renaissance fand das wohl wichtigste Ereignis in der Geschichte des Christentums statt: Die Reformation durch Martin Luther. Er kritisierte den durch die Kirche betriebenen Ablasshandel und begründete die lutherisch-protestantische Kirche. Reformationen in anderen europäischen Ländern folgten. Seitdem kann man (grob) sagen, dass der Norden Europas eher protestantisch, der Süden hingegen katholisch geprägt ist. Der aufkommende Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten fand sein Ende im Augsburger Religionsfrieden von 1555.
In der Zeit des 2. Weltkrieges hielt sich die Kirche weitestgehend neutral zurück. Nur vereinzelte Pfarrer und Pastoren erhoben ihre Stimme gegen das Nazi-Regime. Heute macht v. a. die katholische Kirche noch auch sich aufmerksam, sei es durch die Auftritte des Papstes in der ganzen Welt oder Stellungnahme zu Themen wie Verhütung und Abtreibung.