Ursachen für Kirchenaustritte
Die Ursachen für Kirchenaustritte sind sehr vielfältig und beinhalten sowohl persönliche wie auch gesellschaftspolitische Motive. Der meistgenannte, persönliche Grund ist sicherlich die Einsparung der Kirchensteuer. Sie hat aber auch damit zu tun, dass in wirtschaftlich stabilen Zeiten die Ausstiegsquote deutlich geringer ausfällt, als bei einer instabilen Wirtschaftslage. So waren in Deutschland zum Beispiel in den Jahren von 1920-1930 die Austritte weitaus höher, als in der Wirtschaftswunderzeit zwischen 1950-1960. Natürlich geht dies mit dem persönlichen Grund, in schlechten Zeiten möglichst viele Ausgaben zu drosseln, Hand in Hand.
Die zum Teil noch sehr große, konservative Haltung, vor allem die der katholischen Kirche, empfinden viele Menschen als nicht mehr zeitgemäß. Dies lässt die Gleichgültigkeit gegenüber der Kirche wachsen, und keinen Sinn mehr in der Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft erkennen. Viele bekennende Christen sind zudem der Meinung, dass sie ihren Glauben auch außerhalb der Kirchengemeinde leben können.
Einen hohen Anstieg der Austrittsquote verzeichneten die Kirchen nach Bekanntwerden des jahrelangen, sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch Priester. Der hohe moralische Ehrenkodex, den die Kirche bis dahin jahrhundertelang propagiert hatte, war nun durch sie selbst zerstört worden. Auch die Aufarbeitung dieses Thema gestaltete sich in den Augen der Öffentlichkeit als besonders schwerfällig. Fast erschien es so, als sei man nicht wirklich um eine Aufklärung der Tatbestände interessiert.
Für viele Menschen sind die Botschaften der Kirchen auch ambivalent: Wird zum Einen gepredigt, dass vor Gott alle gleich sind, so gibt es trotzdem erhebliche Unterschiede zwischen Randgruppen der Gesellschaft (zum Beispiel homosexuelle Menschen) und den sogenannten “Normalen”. Nun hat sich in der Gesellschaft selbst ein Wandel vollzogen. Die Toleranz gegenüber anderen Lebensformen in der Bevölkerung hat zugenommen, Diskriminierung und Ausgrenzung dagegen sind zurückgegangen. Da verwundert und verwirrt es doppelt, dass diskriminierende Äußerungen ausgerechnet von den Vertretern der Kirche stammen.
Auch das Zerbrechen einer Ehe, den plötzlichen Tod des geliebten Kindes,oder andere Tragödien, sehen viele Menschen als Beweis an, dass es Gott nicht wirklich gibt. Die logische Folge bleibt oft der Kirchenaustritt.
Die Bereitschaft der Kirche, menschliche Schwächen und Makel anzuerkennen, und auf zeitgemäße Probleme vorbehaltlos Bezug zu nehmen, würde von vielen Menschen als positives Signal empfunden werden…