Blindheit ist nach wie vor eine der größten Geißeln der Menschheit, doch die meisten Erblindungen könnten mit wenig Aufwand vermieden werden. Jede Sekunde verliert ein Mensch das Augenlicht; jede Minute erblindet ein Kind. 90 Prozent der rund 50 Millionen Blinden leben in der Dritten Welt. Wie führende Mitarbeiter der Christoffel-Blindenmission (CBM) am 6. März in Frankfurt mitteilten, wären 70 bis 80 Prozent der Blindheit zu verhüten oder mit einfachen Mitteln zu heilen. Häufigste Ursache ist der Graue Star; über 20 Millionen Menschen vor allem in Asien und Afrika können deswegen nicht mehr sehen. Durch eine einfache Operation, die in Entwicklungsländern rund 30 Euro kostet, ist dieser Schaden zu beheben. Unsauberes Wasser, mangelnde Hygiene und unzureichende Gesundheitsvorsorge sind die Hauptursachen für die Trachom-Infektion, durch die rund 150 Millionen Menschen in Afrika, Südostasien und dem Mittleren Osten von Erblindung bedroht sind. Sechs Millionen haben dadurch ihr Augenlicht unwiederbringlich verloren; durch Vorbeugung und einfache Behandlungen, etwa mit Augensalbe, könnte das verhindert werden. Wegen Vitamin-A-Mangels erblinden jedes Jahr in Entwicklungsländern zwischen 350.000 und 500.000 Kleinkinder. Ihnen könnte durch gesunde Ernährung oder Vitaminkapseln geholfen werden. Bis zum Jahr 2020 sollte niemand mehr aus vermeidbaren Gründen erblinden, so die CBM. Sie hat dazu zusammen mit anderen Hilfswerken und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Programm „Vision 2020“ ins Leben gerufen. Wie der neue CBM-Direktor für Kommunikation, Martin Georgi (Bensheim bei Darmstadt), sagte, wäre es nötig, die derzeit im Kampf gegen die Blindheit eingesetzten Mittel von rund 100 Millionen Euro jährlich zu verdoppeln. Dazu fehle jedoch der politische Wille.
Zusätzlich 100 Millionen Euro könnten das Schlimmste verhüten
Derzeit wächst die Zahl der Blinden um ein bis zwei Prozent pro Jahr. Wenn keine zusätzlichen Maßnahmen ergriffen werden, wären im Jahr 2020 rund 70 Millionen Menschen blind. Ziel sei jedoch, die Zahl auf 25 Millionen zu halbieren. Laut Georgi legt die CBM zunehmend Wert auf Ausbildung einheimischer Fachkräfte. So seien weite Teile der Dritten Welt mit Augenärzten unterversorgt. In Afrika ist im Durchschnitt ein Augenarzt für eine Million Menschen zuständig; das Verhältnis sollte aber mindestens 1:250.000 sein. In Deutschland kommt ein Augenarzt auf 13.000 Menschen. In Afrika kostet die Ausbildung eines Facharztes rund 30.000 Euro.
CBM führte fünf Millionen Augenoperationen durch
Die 1908 von Pfarrer Ernst Jakob Christoffel (1876-1955) gegründete CBM ist eines der größten Hilfswerke für Menschen mit Behinderungen. Sie fördert über 1.000 Projekte in 110 Ländern. Seit den sechziger Jahren hat sie rund fünf Millionen Augenoperationen durchgeführt; gegenwärtig sind es etwa 500.000 pro Jahr. Wie der scheidende Direktor für Kommunikation, Herbert G. Hassold (Bensheim), mitteilte, ist das Werk finanziell zum größten Teil auf seine über 400.000 Spender angewiesen. Hassold tritt nach acht Jahren bei der CBM in den Ruhestand. Während seiner Dienstzeit habe das Werk rund 330 Millionen Euro Spenden sowie Legate und Vermächtnisse erhalten. Im jährlichen Durchschnitt waren es 35,3 Millionen Euro aus Spenden und 5,8 Millionen Euro aus Erbschaften. Im vergangenen Jahr ist das Spendenvolumen um rund fünf Prozent auf 34,3 Millionen Euro zurückgegangen. Hassold vermutet, daß die Spender etwa durch die lahmende Konjunktur und die Teuro-Debatte verunsichert sind. Auch könne sich die Euro-Umstellung selbst negativ ausgewirkt haben. Wer statt früher 100 Mark jetzt 50 Euro überweise, verursache wegen des leicht geringeren Wertes ein Minus von etwa zwei Prozent.
Der Wettbewerb auf dem Spendenmarkt wird schärfer
Ferner hat sich laut Hassold der Wettbewerb auf dem Spendenmarkt verschärft. Teilweise riefen Medienorgane eigene Aktionen ins Leben und berichteten weniger über andere Werke. Auch werde vermehrt um Spenden für Aufgaben gebeten, die früher aus öffentlichen Kassen finanziert wurden, etwa Projekte für Schulen oder Krankenhäuser. Die CBM gehört zu den größten 18 deutschen Spendenwerken. Ihr werde, so Hassold, hohe Wirksamkeit bescheinigt, wie der Emnid-Spendenmonitor zeige. Der Bekanntheitsgrad sei jedoch von 16,7 Prozent im Jahr 2000 auf 13 gesunken. Am bekanntesten seien die Welthungerhilfe, die SOS-Kinderdörfer und das Rote Kreuz. Aber auch evangelische Hilfswerke wie „Brot für die Welt“ (Stuttgart) oder Kindernothilfe (Duisburg) erreichten höhere Werte. Die CBM gehört zur Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen.